Viele Menschen fühlen sich in ihren Wohnräumen müde. Müde vom Alltag? Der Grund liegt oft im Licht. Erfahren Sie, wie Licht den Biorhythmus beeinflusst und wie Räume wieder Energie geben können.
Kennen Sie das Gefühl? Sie kommen nach Hause, setzen sich ins Wohnzimmer und spüren trotzdem keine wirkliche Entspannung. Der Raum ist schön eingerichtet, modern, sogar aufgeräumt und doch verbreitet sich eine diffuse Müdigkeit. Sie vermuten, es liege an Stress oder zu wenig Schlaf. Mag sein. Aber erstaunlich häufig liegt die Ursache an etwas Unsichtbarerem: Licht.
Warum Licht mehr ist als Helligkeit
In der Raumgestaltung wird Licht häufig nur funktional betrachtet. Der Raum soll hell genug sein, damit man lesen, arbeiten oder sich orientieren kann. Für den menschlichen Organismus erfüllt Licht jedoch eine wesentlich umfassendere Rolle. Über lichtempfindliche Zellen in der Netzhaut werden Informationen über Lichtintensität und Lichtfarbe direkt an das Gehirn weitergeleitet, wo sie unseren circadianen Rhythmus steuern, das heisst unsere innere Uhr. Somit beeinflusst Licht unter anderem unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, unsere Hormonproduktion, Konzentrationsfähigkeit und sogar unsere emotionale Stabilität.
Unser Körper ist Natur und zutiefst verbunden mit der Natur rundherum, das heisst er reagiert auf Lichtfarbe und Tageszeit.
Der natürliche Rhythmus des Tageslichts
Über Millionen Jahre hat sich unser Organismus an den Rhythmus des Sonnenlichts angepasst. Am Morgen enthält das Tageslicht einen hohen Anteil an blauem Licht, welches dem Gehirn signalisiert: Der Tag beginnt! Das morgendliche Licht unterdrückt das Schlafhormon Melatonin und aktiviert unter anderem Serotonin und Dopamin. Diese Botenstoffe beeinflussen Wachheit, Motivation und geistige Klarheit.
Am Abend hingegen verändert sich das Licht der Sonne deutlich, was in der Atmosphäre sehr gut wahrzunehmen ist. Während der sogenannten goldenen Stunde ist das Licht viel wärmer und gelb-rötlich, was den Körper auffordert, wieder Melatonin zu produzieren, das Hormon, das unseren Schlaf vorbereitet.
Physikalisch betrachtet ist blaues Licht kurzwellig und energiereicher als rotes Licht. Deshalb wirkt morgendliches Licht aktivierend, das wärmere Abendlicht hingegen bereitet den Körper auf Ruhe vor. Unser Körper schwingt natürlich mit den höheren und niedrigeren Frequenz des Lichts mit ein und lässt sich mit den Wellen des Lichtes jeweils «hoch- oder runter fahren».
Genau dieser natürliche Rhythmus gerät in modernen Wohn- und Arbeitswelten aus dem Gleichgewicht.
Das Lichtproblem moderner Lebensräume
Heute wird dieser natürliche Rhythmus häufig umgekehrt. Tagsüber halten sich viele Menschen zu kurz im echten Tageslicht auf und verbringen den Grossteil des Tages in Innenräumen. Am Abend hingegen sind sie starkem künstlichem Licht ausgesetzt. Bildschirme von Smartphones, Tablets und Computern sowie viele LED-Lampen senden Licht mit relativ hohem Blauanteil aus. Dieses Licht wird vom Gehirn ähnlich interpretiert wie Tageslicht und kann die Melatoninproduktion verzögern.
Deswegen bleibt das Nervensystem länger im Aktivmodus, obwohl der Körper eigentlich zur Ruhe kommen sollte.
Wie gross der Unterschied zwischen Tageslicht und Innenlicht ist
Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird, ist die enorme Differenz zwischen Tageslicht und Innenbeleuchtung. Tageslicht im Freien erreicht ungefähr 10 000 bis 100 000 Lux. Innenräume liegen dagegen häufig nur bei 100 bis 500 Lux in Wohnräumen und 300 bis 500 Lux in Büros. Dies zeigt uns klar, dass unser Organismus im Alltag meistens nur einen Bruchteil der Lichtintensität erhält, für die er ursprünglich entwickelt wurde.
Wie Räume wieder Energie geben
Gute Raumgestaltung bedeutet deshalb auch, den Rhythmus des Lichts wieder in den Alltag zurückzubringen. Wenn Tageslicht, richtiges künstliches Licht, Farbklima und räumliche Struktur zusammenwirken, verändert sich die Wirkung eines Raumes oft spürbar. Das heisst, Räume wirken klarer, ruhiger und unterstützen die Menschen, die in ihnen leben.